Interview mit Thomas Dankof #brandhofffragt2016

1.       Stellen Sie kurz sich und Ihr Unternehmen vor.

 

Ich bin 51 Jahre alt, verheiratet und habe 2 Kinder. Ich bin Versicherungsfachmann (BWV) und habe mich im Laufe der Zeit in zahlreichen Weiterbildungsmaßnahmen weiter qualifiziert. Unter anderem bin ich zertifizierter Vorsorge-Spezialist und Finanzanlagenfachmann (LVM).

Bei meinem Unternehmen handelt es sich um eine LVM-Versicherungsagentur (Einzelunternehmen), die seit 44 Jahren besteht. In meiner Agentur beschäftige ich eine fest angestellte Mitarbeiterin und zwei Mitarbeiterinnen auf Minijob-Basis. Seit 01.09.2016 bilde ich eine Auszubildende zur Kauffrau für Versicherungen und Finanzen aus.

In meiner Agentur betreuen wir mittlerweile rund 3.000 Kunden. Unser Angebot ist im Laufe der Jahre sehr vielfältig geworden, so bieten wir unseren Kunden nicht nur rundum Versicherungsschutz auf hohem Niveau, sondern auch Geldanlagen und Finanzierungen.

Unsere Nische in der Branche ist der bestmögliche Service, persönliche, kompetente Ansprechpartner vor Ort und die ständige Erreichbarkeit.

 

2.      Sind Sie im Internet aktiv unterwegs? Wo findet man Sie am besten?

 

Wir haben eine Homepage www.dankof.lvm.de und auch eine Facebookseite.

 

3.      Was ist für Sie wichtig bei der Führung Ihres Unternehmens?

 

An erster Stelle steht die Zufriedenheit der Mitarbeiter, denn nur zufriedene Mitarbeiter sind auch motiviert. Meine Mitarbeiterinnen arbeiten zum größten Teil selbständig und haben verschiedene Aufgabenbereiche, um die sie sich selbständig kümmern. Bei Problemen erwarte ich, dass Sie sie erst einmal selbst Lösungen finden. Nur wenn es nicht anders geht, schalte ich mich ein. Helfe dann aber natürlich gern. Deshalb wird die Arbeit nie langweilig, sondern bleibt interessant und spannend. Auch können sich meine Mitarbeiterinnen Ihre Arbeitszeit frei einteilen. Welchen Vorgang Sie wie und wann bearbeiten steht ihnen völlig frei, müssen sich dabei allerdings nach Kundenabsprachen und Terminen richten. Mir ist wichtig, dass die Mitarbeiterinnen Spaß an ihrer Arbeit haben.

Ich übe niemals Druck aus, da dies meiner Ansicht nach kein moderner Führungsstil ist. Wir veranstalten regelmäßig kleine, interne Wettbewerbe an denen ich auch teilnehme. Es ist dann immer eine Gaudi, wenn ich geschlagen werde. Des Weiteren schreibe ich eine fünf Jahres Vision, die ich jedes Jahr fortführe und regelmäßig controlle (zur Zeit Vision 2021).

Ich vergleiche mich mit Hilfe eines Institutes der Hochschule Köln jedes Jahr mit Agenturen gleicher Größe und schaue auch sonst sehr viel über den Tellerrand.

 

4.      Wie stellen Sie sicher, dass Ihre Mitarbeiter einen attraktiven Arbeitsplatz vorfinden und sich wohlfühlen?

 

Wir verfügen über ein schön gestaltetes Büro mit modernster Technik. Wünsche und Anregungen der Mitarbeiterinnen werden nach Möglichkeit umgesetzt.

 

5.      Wie würden Sie Ihren Führungsstil beschreiben?

 

Mein Führungsstil ist absolut antiautoritär, da ich nichts von starren Vorgaben halte. Meine Mitarbeiterinnen arbeiten in einem ganz weit gesteckten Rahmen. Die Vorgaben ergeben sich

fast ausschließlich durch Kundenwünsche. Dank meiner eigenständigen Mitarbeiterinnen kann ich mich daher auf meine Kernkompetenzen konzentrieren.

 

6.      Das Alter der Mitarbeiter steigt. In 15 Jahren soll laut Experten-Einschätzung das Durchschnitts-Alter bei 55 Jahren liegen. Sehen Sie das als Problem für Ihre Branche an?

 

Ich sehe das nicht nur als Problem für meine Branche, sondern für den gesamten Arbeitsmarkt. Die Unternehmen werden sich in naher Zukunft einiges einfallen lassen müssen, um qualifizierte, junge Mitarbeiter zu bekommen und auch zu halten.  Hier wird es einen starken Wettbewerb geben. Und nur der attraktivste Arbeitgeber steht auf Dauer gut da.

 

7.      Bleiben wir mal in der Zukunft: was meinen Sie? Wird Ihr Geschäftsmodell auch in 15 Jahren noch funktionieren oder sehen Sie hier Anzeichen für einen Veränderungsprozess? (Stichwort: Digitalisierung)

 

Wir als Serviceagentur sind ja schon lange mit diesen Veränderungen konfrontiert, ich bin der Meinung, wenn man gute und vor allem seriöse Beratung bietet, wird das Modell Versicherungsagentur bestand haben. Sehr viele unserer Kunden fühlen sich bei uns bestens aufgehoben, das wird uns auch immer wieder seitens der Kunden bestätigt. Trotz vieler Direktversicherer sind wir in den letzten Jahren im Vergleich zu Agenturen gleicher Größenordnung sowohl in der Bestandsgröße als auch bei der Neukundengewinnung überdurchschnittlich gewachsen, dies gibt mir Hoffnung für die Zukunft. Eins ist völlig klar, je größer der Bestand einer Agentur, desto besser ist die Beratungsqualität, der Abschlussdruck geht bei großem Versicherungsbestand gegen null.

 

8.      Welchen Rat haben Sie für Gründer, die jetzt in Ihrer Branche neu starten?

 

Ich kann jedem nur raten mit möglichst hoher Kompetenz ehrlich und seriös zu arbeiten: In dieser Branche werden nur die überleben, die offen und ehrlich mit ihren Kunden umgehen.

Die Zeiten, in denen man Leute einen sechs Wochen Crashkurs gegeben, sie in einen Anzug gesteckt und auf Kunden los gelassen hat sind Gott sei Dank vorbei. Heutzutage spüren die Kunden, ob sie vernünftig und ehrlich beraten werden, auch weil sie viel besser informiert sind. Kurz gesagt, wer im Versicherungsgeschäft nur die Provisionen im Kopf hat, wird auf Dauer keine Chance haben.

Grundsätzlich würde ich aber jedem davon abraten, eine Versicherungsagentur mit 0 Bestand zu gründen, da der Markt in diesem Segment gesättigt ist. Ich würde viel eher dazu raten, sich einer bestehenden Agentur anzuschließen, z.B. auf Basis HGB § 84.

 

9.      Was lesen Sie zurzeit? Haben Sie eine (berufliche) Leseempfehlung? Ein Buch, dass Sie inspiriert hat?

 

Zurzeit lese ich das Buch „Das finstere Tal“ von Thomas Willmann, die Geschichte handelt in einem Alpenhochtal zum Ende des 19. Jahrhunderts. Eine berufliche Leseempfehlung ist das Buch „Du bist das Produkt“ von Dirk Schmidt, hier wird veranschaulicht, dass es erst mal gar nicht so entscheidend ist, was man verkauft, sondern wie man sich selbst verkauft.

 

10.  Nehmen wir mal an, Sie haben 2 Aufgaben zu erledigen. Beide gleich wichtig. Für die Erledigung benötigen Sie jeweils 2 Stunden. Sie haben aber nur 3 Stunden Zeit. Wie entscheiden Sie sich? Was sind wichtige Kriterien für Ihre Entscheidung?

 

So etwas würde bei mir niemals vorkommen, da ich sehr gut darin bin, mir meine Zeit einzuteilen. Ich würde eine Aufgabe nie wegen Zeitdrucks nur unbefriedigend erledigen. Dies liegt nicht in meiner Natur. Wenn die Erledigung der Aufgaben 4 Stunden in Anspruch nimmt, dann ist das nicht zu ändern. Ich würde versuchen ggfs. einen Termin aufzuschieben. Eine andere Alternative wäre, Teile der Aufgaben zu delegieren, um die Zeit einzuhalten. Eine halbherzige Erledigung ist jedenfalls keine Option.